Wort und Bild (Raum für musikferne Kunst)

SchleuderTraumA

Du bist im Schleudertrauma
Zu wenig im Traum A
Zu viel Be achtet
Was Dir nicht entspricht

Trau Dich mal!
Ins Träumland
Und wieder hinaus
Vertrau Deinen Schritten
Auch wenn sie gleich bricht,

Deine Welt, ganz real, am silbernen Faden,
da hängt sie: vertraut; stabil? Oder doch zart?
Dein Traum A ist sicher, doch gleicht er Fassaden;
Ein Movie Maker, schillernd und smart.

Wir sind noch immer im Schleudergang
Sich zu verbessern der ewige Drang
Self Optimizing ein äußerster Zwang
Minuten sind minder, die Listen lang …

Ich bin im Schleudertraume
Träum zu oft vom Traum A
Zuviel Be zwungen
Was mir doch entspricht

„Vertrau mir doch mal!“
unsre inneren Stimmen
sind stimmig, sie stimmen in dem überein,
dass wir bestimmen, was uns vereint.

MACH DIE MASCHINE AUS!

SCHLEUDERN WAR GESTERN!

P A U S E

Martina Lichter, 12.06.2022

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Was verbindet

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Simple

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Mein inneres Kind spricht

oder auch LISA

„Panzer sind hässlich“.
Ein kleines Mädchen, schätzungsweise 5 – 7 Jahre alt, meldet sich zu Wort.
Urplötzlich ist sie da, diese Stimme in meinem Kopf, während ich Whatsapp-Nachrichten durchschaue. Montagmorgen, 6:30 Uhr.
„Wir sollten riesengroße Blumentöpfe aus ihnen machen“, meint sie. `Hmmm ´denke ich und beiße schnell noch in mein Marmeladenbrot. Ich muss los, Time is Money.

„Pistolen sind schrecklich!“, sagt Lisa, wie ich sie kurzerhand nenne, 10 Minuten später.
Ich jumpe in meinen Sportwagen. Neuzugang in meinem kleinen Fuhrpark. Bin ich mächtig stolz drauf.
„Außer die aus Plastik, damit kann man kleine Brüder ärgern. Und Rosen gießen, das geht auch.“ ´Eine Gießkanne tut es ebenso´, erwidert brüsk mein erwachsenes Ich.

Es ist 09:30 Uhr, ich sitze in meinem Büro, schlürfe den vierten Kaffee, der wie immer viel zu schwach ist. Dusselige Sekretärin, nichts kriegt sie hin. Ich sollte mir eine andere suchen. Es ist viel zu tun.
Lisa hat eine Frage. „Warum gibt es Grenzen? Das ist dumm, die Welt gehört doch allen!“ Ich schweige. Kinder sind echt naiv. Gut, dass ich mir keine angeschafft habe! Anstrengend, Sowas!

11:00 Uhr.Der Montag ist zäh.„Alle Waffen müssen weg! Keiner will Krieg!“ Die Mädchenstimme klingt leicht echauffiert. ´Manche schon!´, denke ich, spreche es aber nicht aus. „Wirklich? Wer denn genau? Das glaube ich nicht! Man sollte mal mit denen reden!“
´Ich muss arbeiten. Lass mich in Ruhe!´Wer hat das Blag von Pazifistin eigentlich eingeladen, sich in meinem Schädel niederzulassen? Was gehen mich die Kriege anderer an? Ist doch weit weg. Der Kaffee schmeckt auch immer noch nicht, ich bin genervt. Das Telefon klingelt ununterbrochen, laut rufe ich nach der Gerhardt, meiner Sekretärin. Sie lässt definitiv viel zu viele Anrufe durch! Was macht sie denn die ganze Zeit? Nägel lackieren?
„Ich finde die nett. Sie hat ein krankes Kind, wusstest Du das? Sie muss ganz viel verdienen, damit sie sich die Medikamente leisten kann.“ Lisa, von Berufs wegen Empathin, geht mir enorm auf die Nerven. ´Davon verstehst Du nichts! Still jetzt!´„Das verstehe ich wohl! Du bist gemein zu ihr! Nur, weil sie Dich verlassen hat! Sie sagt, Du bist ein Volltrottel, aber sie braucht die Arbeit hier.“ Ich spüre meinen Blutdruck steigen und als die Gerhardt ins Zimmer kommt, schnauze ich sie an. Soll erst mal Kaffee kochen lernen!!!

Mittagspause!
Mein Kollege Norbert und ich treffen uns zum Meeting (Time is Money) in einem internationalen Kaffeehaus. Wir haben Wichtiges zu besprechen. Es geht um einen Haufen Zaster!
Gerade will ich die Tasse ansetzen, da ertönt die Quengelstimme laut hinter meiner Stirn. „Schon wieder Kaffee? Mir gefällt es hier nicht. Ist nicht schön! Ich will in den Park!“ ´Klappe jetzt!´, flüstere ich und Norbert schaut mich verwirrt an. ´Schon gut, hab nur laut gedacht.´, erkläre ich leicht verlegen. „Da draußen vor der Tür sitzt ein ganz armer Mensch! Der hat bestimmt gar nichts! Können wir ihn nicht einladen?“ Da platzt mir der Kragen!´Jetzt hör aber auf!´ Lautstark stelle ich die Tasse zurück, der Kaffee schwappt über und tränkt die Verträge auf dem Tisch.´Ich kann echt nicht jedem helfen, was meinst Du, wie hart ich arbeiten muss, um mir das alles leisten zu können? Außerdem ist der doch selber schuld, kann sich ja mal mehr anstrengen. Ich bin doch kein Sponsor für Säufer und Faule! Und jetzt Ruhe!´
Ich bin wütend, ich spüre meinen Puls hinter meinen Schläfen. Der Schweiß bricht mir aus. Was sich das kleine Gör einbildet! Eine Frechheit ist das!

Dann Norberts entgeistertes Gesicht. Er schaut mich an, als sähe er einen Fremden. Auf einmal fühle ich mich seltsam losgelöst, die Wände scheinen auf mich zuzukommen und die Welt ist surreal. Was mache ich hier eigentlich? Meine Hände kribbeln und langsam, ganz langsam stehe ich auf.´Entschuldige, Norbert!´, nuschele ich noch und wanke zum Ausgang.
Die Zeit dehnt sich. Mir ist, als sähe Lisa, das kleine Mädchen in meinem Kopf, mich aufmerksam an. Neugierig, was ich wohl als nächstes tue.
Draußen stehe ich gefühlte Ewigkeiten verwirrt herum. Ich spüre Wind in meinem Gesicht, entferntes Autohupen dringt an meine Ohren. Meine Hand verselbstständigt sich und ich greife nach meinem Portemonnaie. Die Scheine reiche ich dem Obdachlosen. Schließlich hat er ja gar nichts und ich besitze vier Sportwagen.
´Ist ja nur ein Tropfen auf den heißen Stein´, sage ich noch mehr zu mir selbst und gehe los, wie ferngesteuert.

Laufe durch die Stadt. Setze mich in den Park. Lasse das Telefon klingeln. Denke nicht nach. Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergeht. Ist egal. Jetzt so im Moment.Lisa schweigt. Sie ist zufrieden glaube ich. Irgendwie.

In den nächsten Wochen spricht sie oft zu mir. Mit mir. Und ich fange an, sie gern zu haben. Meine kleine Lebensretterin. Hat mir ein Stück Lebensfreude wiedergegeben. Lachen und Weinen, beides hatte ich fast vergessen. Ein bisschen, manchmal auch ein bisschen mehr, kann ich von meinem neuen Glück weiter geben. Ja auch mein Leben ist es wert, gerettet zu werden!
Danke Lisa!

Martina Lichter, März 2022

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„Just a touch“
cc: Martina Lichter