Türrahmen

Ich seh Dich im Türrahmen
Sprichst von Dingen ohne Namen
Erwartest Menschen, die nie kamen
Du bist fort, weit fort

Du verweilst im Türrahmen
In verstaubten Bildern kramend
Spekulierst in alte Dramen
Wo ist der Ort? Wo ist der Ort?

Sie wartet schon seid zähen Zeiten
Wartet täglich stumme Stunden
Wonnig wartend, lustvoll streiten
Sich die Tage und Sekunden

Ihr Wort genormt, nach außen stur
Der Geist ruft tief ins innere Licht
Verwirrte Welt begreift doch nur
Ihr Sein, ihr Mein, ihr Wandeln nicht

Und Du sitzt im Türrahmen
Lebst von Geschichten ohne Namen
Feierst Menschen, die nie kamen
Du bist fort, weit fort

Du lebst dort im Türrahmen
In verstaubten Herzen kramend
Erneuerst Du die alten Dramen
Wo ist der Ort? Wo ist der Ort?

Sie tastet sich töricht nach taufrischem Trug
Belebt ihre Bilder in blau und orange
Im Rahmen es flüstert „es ist doch genug“
Sie zieht ziellos weiter, sucht bittre Revanche

Hinter mir ein Türrahmen
Ich seh Gesichter, nenne Namen
Umarme Menschen, ihre Dramen
Ich bin hier, nur hier

ML Juli 2021